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Buchvorstellung |
Was in Brauweiler geschah |
| Die Rheinischen Provinzial-Arbeitsanstalt - Dokumentation |
| Der Name "Brauweiler" hat heute einen guten Klang. Man denkt an die großartige romanische Architektur der mittelalterlichen Benediktinerabtei. Das war nicht immer so. "Ab nach Brauweiler!" scherzte man früher und meinte die dortige Arbeitsanstalt. Seit 1942 befanden sich im "Zellenbau" dieser Anstalt Sonderkommandos der Kölner Gestapo. Gegen die in der Trümmerlandschaft Ehrenfelds untergetauchten, von ihrer Arbeitsstelle geflohenen Zwangsarbeiter und gegen "kriminelle Banden" führte das in Brauweiler Gestapokommando Kütter einen regelrechten Vernichtungsfeldzug. |
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Gemeinsam mit dem Rheinischen Archiv- und Museumsamt des Landschaftsverbandes Rheinland hat der Verein für Geschichte e.V. in Pulheim ein Buch zur Geschichte der Arbeitsanstalt Brauweiler herausgegeben:
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Abteikirche St. Nikolaus
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Die Abteikirche St. Nikolaus in Brauweiler am Stadtrand von Köln reiht sich gleichberechtigt ein in den Kranz der berühmten romanischen Kirchen der Stadt. Im Brauweiler Abteipark grünt der sagenumwobene Tausendjährige Maulbeerbaum. Es ist ein Ort tausendjähriger deutscher Geschichte und monastischer Kultur - und zugleich ein Ort nationalsozialistischer Verbrechen. Kaum zehn Meter von den Wegen der katholischen Kirchgänger entfernt, fuhren 1944/45 die Mannschaftswagen, mit denen die Gestapo ihre Brauweiler Häftlinge - nach schlimmer Misshandlung im "verschärften Verhör"- zur Hinrichtung in das EL-DE-Haus nach Köln überstellte.
1995 ließ der Landschaftsverband Rheinland, dessen Kulturabteilungen heute in den Räumen der ehemaligen Abtei untergebracht sind, einen Gedenkstein im Park errichten. Die Inschrift einer Bronzetafel erinnert: "Auf diesem Gelände befand sich bis 1967 die Arbeitsanstalt Brauweiler. In den Jahren des Nationalsozialismus war sie zeitweise auch Konzentrationslager und Gestapogefängnis. Hier wurden Menschen eingesperrt, gefoltert, zwangssterilisiert und der Tötungsmaschinerie ausgeliefert."
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Was in Brauweiler geschah
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Hermann Daners und Josef Wißkirchen legen nun ein Buch vor, das dieses finstere Kapitel der Brauweiler und Kölner Geschichte eindrucksvoll dokumentiert und kommentiert: "Was in Brauweiler geschah. Die NS-Zeit und ihre Folgen in der Rheinischen Provinzial-Arbeitsanstalt". Es ist ein "schönes" Buch mit einem ansprechenden Layout, und zugleich ein eindringliches Buch, weil es den Leser nahe an die Geschehnisse heranführt. Die Autoren ergänzen ihre zurückhaltend-sachlich formulierten Informationen mit der Abbildung von zeitgenössischen Dokumenten und Fotos. Die vorzügliche Druckqualität macht es dabei dem Leser leicht, sich diese historischen Quellen selbst genauer zu erschließen und so ein eigenes Urteil zu finden. Er liest z. B. nicht nur über die beiden Massenerhängungen am Bahnhof in Köln-Ehrenfeld im Herbst 1944 und die vorangegangenen Folterverhöre der Opfer in Brauweiler, sondern sieht eine ganze Fotoserie mit den Gesichtern der Opfer, der Täter und der Zuschauer und bekommt damit das Geschehene in einer Unmittelbarkeit vor Augen geführt, der man sich kaum entziehen kann.
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Die Opfer der öffentlichen Massenerhängungen im Oktober und November 1944 in Ehrenfeld waren vor ihrer Hinrichtung im Brauweiler "Zellenbau" verhört und gefoltert worden. Mehrere Mitglieder der Kölner Widerstandsgruppe "Volksfrontkomitee Freies Deutschland" wurden hier zu Tode gequält. Zahlreiche "Ostarbeiter" wurden von Brauweiler zur Exekution ins EL-DE-Haus überstellt. Konrad Adenauer, der im Herbst 1944 im Brauweiler "Zellenbau" inhaftiert war, nannte die Behandlung der Häftlinge "niederträchtig".
Das Buch lädt ein zum selbständigen Entdecken. Da findet man die Abbildung eines mit sorgfältigen roten Unterstreichungen versehenen Vermerks eines Brauweiler Gestapobeamten vom 9. Februar 1945, gegen sechs "Ostarbeiterinnen" würden "staatspolizeiliche Maßnahmen zur Anwendung gebracht". Fünf Tage später, am 14. Februar, schreibt der gleiche Beamte darunter den zusätzlichen Vermerk, dass zwei der jungen russischen Frauen "in Brauweiler verstorben" seien; er schreibt es etwa eine halbe Stunde später, nachdem er selbst eigenhändig eine der beiden erschossen hat. Er schreibt es mit verschmauchten Fingern.
Vielfältig sind die Themen des Buches. Man liest von der Hinrichtung zweier Brauweiler Fürsorgezöglinge, von der Überführung zahlreicher jugendlicher Anstaltsinsassen in Konzentrationslager, von Kölner Edelweißpiraten, Spanienkämpfern, Mitgliedern der französischen "Action Catholique" und der Polnischen Heimatarmee ("Armia Krajowa"), von der grausamen Misshandlung mehrerer Mitglieder der Kölner Widerstandsgruppe "Volksfrontkomitee Freies Deutsch¬land", von denen einige auf bestialische Weise zu Tode gequält wurden.
Die Genannten waren Opfer von Sonderkommandos der Kölner Gestapo, die im Herbst 1944 im Brauweiler "Zellenbau" stationiert wurden. Konrad Adenauer, der damals hier drei Monate lang in Gestapohaft war, berichtete nach dem Kriege wiederholt von den seelischen Qualen, die er erlitt, weil er in dem hellhörigen Betongebäude die Schreie der Gequälten hörte, ohne helfen zu können. Das Buch macht deutlich: Der Naziterror fand nicht nur im fernen Osten statt, sondern zu Hause, mitten im Ort Brauweiler. Es zeigt, dass man die Wurzeln des Terrors nicht "auslagern" darf in die Schreckenskammer abnormer Charaktere außerhalb der Volksgemeinschaft, sondern dass man sie suchen muss in der Mitte des Volkes.
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Die Autoren
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Die beiden Autoren sind von Beruf Geschichtslehrer. Ihre Adressaten sind nicht zuletzt jugendliche Leser, die nach Hilfe suchen bei dem Bemühen, die finsteren politischen Zeiten ihrer Großeltern zu verstehen. Das Buch ist auch hervorragend geeignet für den Einsatz im Geschichts- und Politikunterricht weiterführender Schulen.
Hermann Daners: Studiendirektor am Abtei-Gymnasium in Brauweiler; Schriftleiter der "Pulheimer Beiträge zur Geschichte" des Vereins für Geschichte e. V. Pulheim. Mehrere Veröffentlichungen zur Geschichte der Arbeitsanstalt Brauweiler, u. a. 1996 ",Ab nach Brauweiler...!‘ Nutzung der Abtei Brauweiler als Arbeitsanstalt, Gestapogefängnis, Landeskrankenhaus...
Josef Wißkirchen: Studiendirektor i. R.; stellv. Vorsitzender des Vereins für Geschichte e. V. Pulheim. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Lokal- und Regionalgeschichte, u. a. zur Arbeitsanstalt Brauweiler und zum Brauweiler Konzentrationslager 1933/34.
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Hermann Daners/ Josef Wißkirchen
»Was in Brauweiler geschah« Dokumentation -
Die NS-Zeit und ihre Folgen in der Rheinischen Provinzial-Arbeitsanstalt
Herausgeber: Landschaftsverband Rheinland und Verein für Geschichte e.V. Pulheim
ISBN 3-927765-39-2, Großformat, 160 S., fester Einband, zahlr., meist farbige Abb., 9,80 EUR
Verein für Geschichte
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