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Informationen und Themen auf go2koeln.de
In unregelmäßigen Abständen infomieren wir hier über kulturelle und künstlerische Aktionen und Termine. Ergänzen werden wir diese Rubrik mit Artikel über die Kölner-Kunst-Geschichte.

Rubrik Kunst & Kultur

Design International
Cubalibre

Design zwischen Köln und Havanna
Zwei Wochen lang sammelten die KISDler ganz neue Design-Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit kubanischen Designstudenten.
Das interkulturelle Projekt "Cubalibre" ist ein Novum in der Designausbildung und soll die angehenden DesignerInnen für die kulturellen Unterschiede der globalen Märkte sensibilisieren. Unter der Leitung von Prof. Dr. Brigitte Wolf (Design Management) bereiteten sich 15 Studierende der Köln International School of Design drei Monate lang von Oktober bis Dezember 2003 auf ihre Reise nach Kuba vor. Zeitgleich starteten an der kubanischen Partnerschule "Instituto Superior de Diseño Industrial" 20 Studierende mit ihren Professoren die Vorbereitungen für die gemeinsame Projektarbeit.
 
Am 13. Februar präsentierten die Studierenden der KISD das Projekt in der Fachhochschule Köln und informieren auf verschiedenen Webseiten über Erfahrungen und Perspektiven der Zusammenarbeit mit der kubanischen Partnerschule.
Andere Welten
Nach einem Crashkurs in Spanisch, intensiver Beschäftigung mit der Kultur Kubas und einem interkulturellen Training waren die Studierenden fit für die Reise in ein Land, in dem alles anders ist als zuhause in Köln: das Klima, das politische und wirtschaftliche System, die Sprache, die Lebensgewohnheiten, das Essen, die Religion und der Lebensstandard.
 
Im Januar 2004 war es soweit und die Studenten aus Köln trafen in Havanna ein. Von den kubanischen Studenten wurden sie mit großem Interesse erwartet. Sprachliche Hürden wurden schnell überwunden. Die vorliegenden Arbeitsergebnisse beider Schulen wurden präsentiert, verglichen, diskutiert, verbessert und weiterentwickelt. In intensiver Zusammenarbeit entstanden in zwei Wochen letztendlich fünf spannende Projekte:
  • "Undercuba" - 100 individuell gestaltete, aber professionell gefertigte Damenunterhosen
  • Neuer Markenauftritt für die älteste kubanische Rummarke "Caney"
  • Reiseführer über der den Alltag, die Mythen und die Lebensgewohnheiten der Habaneros
  • Dokumentation und neue Konzepte der urbanen Landwirtschaft in Havannao?
  • Neues Konzept für Souvenirs
»Seien wir realistisch...
...versuchen wir das Unmögliche«
Geleitet von diesem Zitat des großen kubanischen Volkshelden Che Guevara hat das kubanisch-deutsches Designteam während der ersten zwei Wochen des Jahres 2004 in Havanna einen Traum für Mädels wahrgemacht. Feinste Stoffe aus hochwertigster schwäbischer Feinstoffproduktion und mehrere hundert Meter edle Wuppertaler Spitze in einer der märchenhaftesten Städte der Welt unter dem Einfluss von feinstem Rum und Zigarren waren die Grundlage für die Produktion einer Serie von einhundert individuellen "underCUBA"s.
 
Im Rahmen des internationalen Post Vordiplomsprojektes "Cubalibre" konzipierten, gestalteten und produzierten vier Modedesignerinnen aus Havanna und vier Studenten der Köln International School of Design mit Hilfe von Künstlern und Designern in Havanna und Köln die Unterwäsche bzw. Unterhosen "underCUBA", die schließlich in einer sozialistischen Fabrik in Havanna genäht wurden. Verschiedenste Drucktechniken sorgten dafür, dass alle Ideen der Jungdesigner umgesetzt wurden, was sich nicht zuletzt in der Verkaufsverpackung äußert, welche mit Seriennummer, Waschanleitung und individuellem Polaroid die entspannte kubanische Stimmung in die Herzen der glücklichen Käufer schleust.
Ein ausgefeiltes Verkaufskonzept für den Verkauf der streng limitierten Serie in Köln und Havanna sorgen dafür, dass der Gewinn dem Austausch mit kubanischen Designstudenten zugute kommt.
Rund um Rum
Viele Geschichten, manche Mythen ranken sich um die Rummarke "Caney". Ist sie der rechtmäßige Nachfolger des durch die Revolution vertriebenen Marktführers Bacardi? Auch Pernot-Ricard mit ihrer Produktlinie Havanna-Club beanspruchen die traditionsreiche Vergangenheit der einstigen kubanischen Vorzeigefirma. Eines ist jedoch sicher wie der Mojito in Havannas Bars: "Caney"-Rum ist staatlich und sozialistisch. Noch heute prangt auf dem kitschig nostalgisch anmutenden Etikett die Medaille der Leistungsschau 1967 der Messe Leipzig. Also musste etwas neues her:
"Caney" produziert drei unterschiedliche Sorten Rum, die sich durch Alter, Farbe und Geschmack unterscheiden. Sie alle warten auf frische, klare Etiketten, Verpackungen und Booklets, die über Inhalt, Geschichte und Funktionsweise bzw. Mehrwert der Verpackung aufklären. Editionen sollten es werden und nicht einfach nur Behältnisse zur Aufbewahrung hochprozentiger Schätze. Nur zehn Tage Zeit in einem Land wo eine Vielzahl unvorhersehbarer Probleme sich in produktive Flexibilität verwandelt: Professionell ausgestattete Werkstätten, aber kein Material. Computerlabore mit gängiger Software, aber keine Drucker. Bibliotheken voller historischer Bücher, aber keine Kopierer. Bis zur finalen Präsentation war es ein weiter Weg, den wir, unter Zuhilfenahme verschiedenster Verkehrsmittel meisterten, wie den berüchtigten kubanischen "Camellos", einer traditionellen Pferdekutsche, einem dank sieben Studenten überfordertem Fiat 500 und, nicht zu vergessen, immer wieder Schusters Rappen.
Reisen zum Entdecken
Deutsche Designstudenten fliegen nach Havanna und machen gemeinsam mit den kubanischen Studierenden einen Reiseführer. Welch bahnbrechende Idee!
Exotische Schönheiten, alte amerikanische Autos, pastellfarbene Prachtbauten, Salsa überall, Zigarren, karibische Strände und der Leitsatz "Hasta la victoria siempre"... das wäre in der Tat nicht bahnbrechend. Mensaessen, Camello fahren, besondere Traditionen, Graffitis, Pesoläden, Schulen, Friseur, echt kubanische Rezepte, Aberglauben… auch nicht bahnbrechend - aber das Leben in Havanna!
 
Die in den meisten herkömmlichen Reiseführern auftretende Überinformation kann dem Reisenden das Abenteuer, die Stadt selber zu entdecken, vorwegnehmen. Stattdessen war die Zielsetzung, ein "Sammelsurium" von Bildern und Texten zu schaffen, das Raum für eigene Erfahrungen gibt und das alltägliche Leben in Havanna zeigt. Eine weitere Besonderheit dieses Reiseführers besteht in dem Wechselspiel zwischen den deutschen und den kubanischen Studierenden. Sowohl das Aufeinandertreffen zweier Lebensweisen, also auch das unterschiedliche oder eben auch nicht unterschiedliche Verständnis für Gestaltung machen dieses Buch nicht nur für Reisende so spannend.
 
Erhältlich ist "no pongas tu bolso en el piso" zum ersten Mal nach der Präsentation in der Köln International School of Design am 13.02.2004 und danach in ausgewählten Buchläden.
Souvenir? Souvenir!
Schon wieder ein Staubfänger, den keiner braucht? Nein! Nach einer Marktanalyse des Souvenirmarktes war es Ziel der Designstudenten, ein Souvenir zu gestalten, das nach dem Kauf nicht in der Schrankecke landet, sondern dem Käufer ermöglicht, Urlaubsgefühle mit nach Hause zu nehmen und diese, so oft er möchte, bei sich zu tragen.
 
Sowohl in Havanna als auch in Köln sind Fotoserien gemacht worden, die sich ganz deutlich von den herkömmlichen Postkartenbildern absetzen und auf ihre eigene Art den Flair der Stadt widerspiegeln. Um ganz gezielt ein junges Publikum anzusprechen, wurden die Fotos zu Pins und Schmuck verarbeitet. Diese entworfene Serie läuft aufgrund des Kooperationsprojektes mit den kubanischen Studenten unter dem Namen HabanaKöln.
Urbane Landwirtschaft
Unter urbaner Landwirtschaft versteht man das Bewirtschaften von Feldern und die Haltung von Tieren in städtischem Gebiet. Diese Art von Kultivierung und Produktion von Lebensmitteln gewährleistet in Kuba seit dem Mangel in der Spezialperiode die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Kuba ist in dieser Hinsicht Vorbild für viele Länder. Die größten Vorteile der urbanen Landwirtschaft sind kurze Transportwege und überschaubare Produktionsmengen.
 
Mit diesem Thema, das scheinbar meilenweit vom Bereich des Designs entfernt ist, beschäftigte sich eine weitere Gruppe von deutschen und kubanischen Designstudenten.
 
Zu Beginn dokumentierten die Studenten die aktuelle Situation: Besuche von Märkten und Plantagen, Gespräche und Interviews mit Landwirten, Verkäufern und Kunden. Durch das Beobachten von Anbau, Transport und Verkauf wurde einige Probleme deutlich: Die schlechte Lagerung und das häufige Umfüllen von Früchten, das zu schnellem Verderben und Faulen der Ernte führt, mangelnde Hygiene auf den Feldern, beim Transport und Verkauf sowie herumliegender Müll rund um die Verkaufsstände.
 
Die Studenten setzten an der Problematik der schlechten Lagerung und Behandlung der Früchte an. Sie entwickelten ein einheitliches Kistensystem, das sich in bestehende und vorhandene Transport- und Verkaufshilfsmittel eingliedert, im gesamten Prozess genutzt werden kann und damit häufiges Umlagern vermieden wird. "Wichtig war uns die leichte Umsetzbarkeit bei limitierten Ressourcen und eine maximale Einsatzvielfalt im komplexen System".
 
Ergänzend zum Kistensystem wurde ein einfaches Gestell entwickelt, das in kleiner Ausführung die Grundlage eines einfachen Standes ist, und um 90 Grad gedreht, es die Möglichkeit eines mobilen Verkaufsstandes bietet.
Was bleibt
In den zwei Wochen intensiver Zusammenarbeit sind spannende Ergebnisse entstanden, die das Wissen und die Werte beider Kulturen enthalten. Mit der Rückkehr nach Deutschland ist für die Kölner Studenten das Projekt noch nicht beendet! Die Ergebnisse werden dokumentiert und präsentiert. Fertige Produkte werden verkauft. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Unterhosen, Souvenirs und Reiseführer wird kubanischen Studierenden die Reise nach Köln finanziert.
Kontakt
Prof. Dr. Brigitte Wolf
KISD / FH Köln
Design Management
Ubierring 40
50678 Köln
 
Tel. 0221 / 8275 - 3292
E-Mail: wolf@kisd.de
Web: kisd.de/cubalibre
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