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Bio, Naturkost und Gesundheit

Solarenergie

Bei uns kommt der Strom
...vom Dach!

von Stefan Lieser

big-online, Mai 2003 Seit ein paar Monaten wohnen wir in unserem Einfamilienhaus im Laubingerweg, von dem im letzten Heft bereits die Rede war. Auf dem Dach haben wir ein "Kraftwerk", von dem bin ich so begeistert, dass ich Ihnen davon berichten will.
Die Reihenhäuser im Laubingerweg haben eine nahezu ideale Südwest-Ausrichtung. Damit eignen sich die Dächer vorzüglich zum Einsammeln von Sonnenenergie. Dies kann auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen: zum einen kann man die Wär-mestrahlung der Sonne mit einer thermischen Solaranlage "einfangen", um damit Wasser zu erwärmen oder das Haus zu beheizen, zum anderen kann das Licht zur Stromerzeugung mit Photovoltaikmodulen verwendet werden. Auf unserem Dach befindet sich beides, eine thermische Solaranlage sowie eine Photovoltaikanlage.
 
Der thermische Kollektor hat eine Fläche von gut 5qm Fläche. Durch die Wär-mestrahlung der Sonne wird dieser Kollektor erwärmt. Der Kollektor ist über eine Rohrleitung an den Warmwasserspeicher angeschlossen. In den Rohren fließt eine spezielle Solarflüssigkeit, die die Wärme aus dem Kollektor in den Warmwasserspei-cher befördert. So wird das Wasser durch die Sonnenstrahlung erwärmt. Im Winter reicht die Sonnenstrahlung nur an klaren Tagen aus, um das Wasser ausreichend zu erwärmen. Den Rest erledigt ein Gas-Brennwertgerät. Im Sommer dagegen wird fast der gesamte Warmwasserbedarf gedeckt. Über das Jahr gesehen deckt die Sonnen-strahlung damit etwa 50-60% des Warmwasserbedarfs, unterm Strich wird also reichlich Gas gespart.
 
Die restliche Fläche des Daches (siehe auch das Foto) ist mit Photovoltaikmodulen bedeckt. Diese erzeugen Strom aus dem Sonnenlicht. Die Anlage hat eine Spitzen-leistung von 2,5kWh, das heißt unter optimalen Bedingungen kann die Anlage 2,5kW Strom pro Stunde erzeugen. Diese optimalen Bedingungen werden natürlich nur selten erreicht. Zum einen steht die Sonne nicht immer im optimalen Winkel zu den Modulen, zum anderen mindern Wolken den Lichteinfall. Dennoch erzeugt die Anla-ge über ein Jahr gesehen etwa 1800kWh Strom. Da zur Stromerzeugung nur das Sonnenlicht verwendet wird, erzeugt die Anlage keinerlei CO2. Beim derzeitigen Strommix der Bundesrepublik werden so pro Jahr etwa 1000kg CO2 eingespart.
 
Ob sich eine Solaranlage auch finanziell rechnet bzw. wie lange das dann im Ein-zelfall dauert, hängt sehr von den Rahmenbedingungen ab. Eines ist aber klar: es werden fossile Energieträger, in der Regel Öl oder Gas, eingespart und die Umwelt dadurch enorm entlastet. Und wenn man den Konflikt im Irak mit den dort vorhande-nen Ölquellen in Verbindung bringt, ist eine Solaranlage ein Beitrag, die Abhängigkeit vom Öl zu verringern und damit ein Beitrag zum Weltfrieden.
 
Die Finanzierung der Photovoltaikanlage basiert auf dem EEG, dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien, das seit dem 01.04.2000 in Kraft ist. Darin ist gere-gelt, dass dem Betreiber eine Photovoltaikanlage pro kWh eingespeisten Stroms ein fester Betrag gezahlt wird. Leider reichen diese Beträge derzeit nicht aus, um eine Photovoltaikanlage wirtschaftlich zu betreiben. Man erhält aber immerhin über eine Nutzungsdauer der Anlage von 20 Jahren sein investiertes Geld zurück. Wer aber Einwände gegen Atomstrom hat und auch Strom aus Braunkohle aufgrund der Um-weltbelastung nicht für den richtigen Weg hält, der kann mit einer Photovoltaikanlage zum Ausstieg aus den fossilen Energien und zum Einstieg in die erneuerbaren Ener-gien beitragen. Die Kosten für die Einspeisevergütung werden übrigens nicht aus Steuergeldern getragen, sondern auf den Strompreis umgelegt. Im Jahr 2002 machte die EEG-Umlage etwa 0,2 Cent pro kWh aus. Ein Durchschnittshaushalt mit 4000kWh Stromverbrauch musste also im Jahr 2002 etwa 8€ für die EEG-Umlage bezahlen.
 
Unser Ziel ist es übrigens, unseren gesamten Strombedarf rechnerisch gesehen aus der Photovoltaikanlage zu decken. Das bedeutet, wir wollen pro Jahr nicht mehr als 1800kWh Strom verbrauchen. Der Durchschnittsverbrauch einer 4-köpfigen Familie liegt derzeit bei 4000kWh, da stellt sich die Frage, ob man überhaupt mit 1800kWh auskommen kann? Wir sind eine 5-köpfige Familie und unser derzeitiger Jahresver-brauch liegt bei etwa 2400kWh. Das haben wir mit einfachen Mitteln erreicht, die zu-dem sogar noch Geld sparen. Es geht hier also nicht um Verzicht und Einschränkung des Lebensstandards!
 
Wir haben folgende Möglichkeiten genutzt, unseren Stromverbrauch von gut 3600kWh pro Jahr auf etwa 2400kWh zu senken:
  • Konsequenter Einsatz von Energiesparlampen
Diese sind zwar deutlich teurer als herkömmliche Glühlampen, dafür verbrauchen sie aber nur ein Viertel des Stroms und halten bedeutend länger. Somit spart man mit den Energiesparlampen Geld. Unserer Erfahrung nach jedoch nur mit Mar-kenlampen, die billigen gingen zu schnell kaputt oder waren nicht hell genug.
  • Keine Halogenlampen (z.B. den klassischen Deckenfluter)
Diese verbrauchen in der Regel 300W (!) Strom. Zwei Energiesparlampen mit je 23W sind genauso hell und verbrauchen weniger als ein Sechstel des Stroms.
  • Stand-by-Geräte abschalten
Viele Geräte verbrauchen selbst im ausgeschalteten Zustand Strom. Selbst wenn dies nur 9W sind, wie beispielsweise bei unserer AEG Waschmaschine, sind das 78kWh pro Jahr! Wir haben nun alle Geräte mit Stand-by-Verbrauch an schaltba-re Steckdosenleisten angeschlossen.
  • Anschluss der Spülmaschine am Warmwasser
Das Aufheizen von Wasser mittels Strom kostet drei mal soviel Primärenergie wie das Aufheizen mit Gas oder Öl. Die meisten Spülmaschinen können am Warm-wasseranschluss betrieben werden. Dadurch muss das Wasser nicht mehr mittels Strom in der Maschine erwärmt werden, der Verbrauch geht deutlich zurück. Gleichzeitig steigt natürlich der Gasverbrauch leicht an, da lohnt sich der thermi-sche Solarkollektor auf dem Dach dann erst recht.
  • Anschluss der Waschmaschine am Warmwasser
Bei der Waschmaschine ist der Anschluss am Warmwasser nicht so einfach mög-lich, weil man ja weiterhin mit 30/45/60 Grad waschen möchte. Ferner sollte der Spülgang mit kaltem Wasser erfolgen. Für die Waschmaschine gibt es daher ein spezielles Vorschaltgerät. Darüber wird die Waschmaschine am Kalt- und Warm-wasser angeschlossen, das Gerät mischt die benötigte Temperatur.
  • Energiesparende Hausgeräte verwenden
Wir haben unseren alten Kühl- und Gefrierschrank gegen ein energiesparendes Gerät ersetzt. Kaufen sie konsequent nur die sparsamsten Geräte. Das sind aus-schließlich Geräte der Verbrauchsklasse A. Alles was darüber liegt, verbraucht zu viel und ist technisch eine völlig unnötige Verschwendung. Selbst in der Klasse A gibt es gewaltige Schwankungen!
  • Reduzieren der Pumpenleistung und Minimieren der Pumpenlaufzeiten
Jede Heizungsanlage verfügt über eine Pumpe, die das warme Wasser durch die Heizkörper pumpt. In der Regel fördern die Pumpen jedoch viel zu viel Wasser und verbrauchen dabei unnötig Strom, weil der Heizungsfachbetrieb die Anlage nicht optimal eingestellt hat. Auch Nachts müssen die Pumpen nicht unentwegt laufen, hier läßt sich einiges sparen durch richtiges Einstellen der Heizungsanla-ge.
  • Warmwasserzirkulation auf Anforderung
Damit beim Aufdrehen des Warmwasserhahns direkt warmes Wasser zur Verfü-gung steht, werden häufig Zirkulationsleitungen eingebaut. Durch diese wird ständig warmes Wasser gepumpt, damit es beim Aufdrehen des Hahnes sofort zur Verfügung steht. Gesetzlich vorgeschrieben ist immerhin, dass die Pumpe über eine Zeitschaltuhr gesteuert wird. Dennoch laufen die Pumpen in der Regel bis zu 12 Stunden am Tag. Ein einfaches Gerät, das man zwischen dem Stecker der Pumpe und der Steckdose anschließt, sorgt dafür, dass die Pumpe nur dann läuft, wenn jemand tatsächlich warmes Wasser benötigt. Das Prinzip ist einfach: wenn man warmes Wasser zapfen möchte, dreht man den Wasserhahn kurz auf und direkt wieder zu. Dadurch fließt eine kleine Menge warmen Wassers aus dem Warmwasserspeicher in das Rohrnetz. Ein Temperatursensor erkennt das und schaltet die Pumpe ein. 1-2 Minuten später ist warmes Wasser am Hahn. Zuge-geben, diese Lösung verlangt, dass die Hausbewohner mitspielen. Man muss sich angewöhnen, das warme Wasser auf die beschriebene Art und Weise anzu-fordern. Aber der Nutzen ist erheblich! Da die Pumpe nur dann läuft, wenn sie wirklich benötigt wird, wird Strom gespart. Ferner würde das warme Wasser im Speicher durch das ständige Zirkulieren sehr stark abkühlen, man spart also auch noch Öl oder Gas, wenn die Zirkulationspumpe nur selten läuft.
 
Mit diesen einfachen Maßnahmen sind wir unserem Ziel bereits sehr nah gekommen. Als nächstes werden wir den Elektroherd durch einen Gasherd ersetzen. Das spart 2/3 Primärenergie. Und der PC am Heimarbeitsplatz verbraucht mit 100W auch noch zu viel, er wird durch ein aktuelles stromsparendes Gerät ersetzt. Ob wir damit dann unser Ziel 1800kWh pro Jahr bereits erreicht haben, wird sich zeigen.

Artikel aus big-online, Interessengemeinschaft Bickendorf e.v.
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