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Firmenportrait |
Qualität setzt sich durch |
| Transporte Gersmann fährt auf der Erfolgsspur |
Text und Fotos: Gregor Kannberg - "Gersmann Transporte" steht an der Einfahrt in den Hof des Speditionsunternehmens auf der Köhlstraße 7 in Bickendorf. Obwohl sich der Kundenverkehr in Grenzen hält, sind Hof, Halle und ein kleines angrenzendes Rasenstück mit Grill topgepflegt. Abends steht die gesamte Fläche voller (ebenfalls blitzblanker) Kleinlaster. In einer Voliere machen sich eine ganze Reihe Kanarienvögel und anderes tropisches Federvieh akustisch bemerkbar. Keines von ihnen ist gekauft, sie flogen nach und nach zu.
Vielleicht fühlen sie sich ein wenig heimisch wegen der Palmen, die in den Büros in der Halle stehen und aus einer alten Dekoration stammen. "Wir versuchen schon, es uns hier etwas schön zu machen", sagt Hans-Werner Gersmann, der vor zwei Jahren mit seinem Betrieb aus Ehrenfeld nach Ossendorf umzog. Die Geschichte seines Aufstiegs vom Arbeitslosen zum mit Qualitätspreisen ausgezeichneten
Spediteur mit neun Wagen liest sich wie ein Märchen. Doch anders als im Märchen hatte er keine drei Wünsche frei, um an sein Ziel zu gelangen, sondern musste sich den Erfolg hart erarbeiten. Fast übermenschlicher Fleiß, ein unbändiger Drang nicht unterzugehen und eine positive Lebenseinstellung halfen ihm, sich durchzusetzen.
15 Jahre lang arbeitete der gelernte Spediteur als Fahrer und lebte mehr oder weniger in den Tag herein. Dann verlor er von einem auf den anderen Tag seinen Führerschein und damit seinen Job. "Das war nicht Schicksal oder so etwas, sondern komplett selbst verschuldet. Wer nur auf dem Gaspedal hängt und 38 Punkte in Flensburg zusammenschiebt, bekommt irgendwann die Quittung", erinnert er sich an die Zeit vor zehn Jahren. Guter Rat war teuer, doch Gersmann steckte nicht auf und begann als Fahrradkurier. "Ich erinnere mich noch genau an den ersten Tag, als ich alter Sack in Jogginghosen mit einem gebrauchtem Fahrrad zwischen den ganzen Studenten stand", lacht er. Doch er setzte sich durch. Zwei Jahre, vier Monate und zehn Tage lang fuhr er im gesamten Stadtgebiet alle möglichen Sendungen aus. Dann erhielt er seinen Führerschein zurück. "Damals lernte ich auch meine Frau kennen und uns war klar, dass wir uns als Transportunternehmen selbstständig machen", berichtet er. Mit allem mühsam zusammengesparten Geld kauften sie sich den ersten Wagen und Gersmann wechselte vom Zweirad auf das Auto.
"Die erste Zeit war hart. Das Ganze funktionierte ohnehin nur, weil wir alles gefahren haben und 24 Stunden am Tag erreichbar waren", sagt der Firmenchef. Die hohe Zuverlässigkeit seiner Arbeit half ihm ebenfalls beim Aufstieg. Die ständige Erreichbarkeit hat er bis heute beibehalten, obwohl er mittlerweile einige große Auftraggeber gewinnen konnte. So fährt ein Teil seiner Fahrzeugflotte mit großem Erfolg für DHL Express Sitz Köln, ein Teil für TourTrans in Kerpen Türnich und ein Teil für Schüchen in Reichshof. Seit Transporte Gersmann in Köln West, Süd, Innenstadt und Nord für den Expressdienst von DHL Express fährt, ist die Anzahl der nicht angekommenen Sendungen um 95 Prozent gesunken. Im vergangenen Jahr wurde sein Unternehmen von DHL in der Region West als zweitbestes unter 80 Spediteuren ausgezeichnet. "Das erreicht man nur mit absolut guten Leuten", sagt der erfolgreiche Unternehmer.
Im Postbereich hält ihm sein Tourleiter Alfred Freitag den Rücken für andere Aufgaben frei. "Ein ganz herausragender Mann, der schon seit zwei Jahren bei uns beschäftigt ist", lobt er. Ohnehin können Mitarbeiter auf die Unterstützung ihres Chefs zählen. So zahlte er schon einmal säumige Rechnungen für einen Mitarbeiter, half einem anderen bei einem größeren Umzug und zeigte sich großzügig, als einer seiner Fahrer die Geschäftsbeziehungen zu einem sehr lukrativen Auftraggeber vermasselte. "Andere hätten ihn sofort entlassen, das habe ich nicht gemacht, er arbeitet heute noch für mich", sagt Gersmann.
Auf der anderen Seite verlangt der Firmenchef auch sehr viel von seinen Mitarbeitern. "Es ist sehr schwer, gute Fahrer zu finden. Den Termindruck und die absolute Flexibilität halten nicht viele aus", berichtet Gersmann. Darüber hinaus erwartet er Sauberkeit und Zuverlässigkeit. In ständigen internen Qualitätskontrollen werden unter anderem Sendungsverluste, Pünktlichkeit, Fahrzeugpflege, Erreichbarkeit, Verspätungen und Unfälle gewertet. Erreichen die Mitarbeiter und Subunternehmer hohe Werte, zahlt es sich für sie auch in barer Münze aus. Wer in diesen Punkten mitzieht, kann bei Gersmann einiges erreichen. Wer zu wenig leistet, verlässt das Unternehmen über kurz oder lang. "Ich muss ihn mit seinen Erwartungen an Mitarbeiter manchmal etwas bremsen", sagt Anne Gersmann, die ihren Mann im Büro unterstützt."Ich glaube, dass sich Qualität durchsetzt. Deswegen kann ich auch meinen Mitarbeitern gegenüber diesbezüglich keine Konzessionen machen. Sonst sind wir schneller weg vom Fenster als wir Piep sagen können."
Die hohe Flexibilität garantiert auch einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag, bei dem der Unternehmer schon viel erlebte. Einmal transportierte er ein Kupplungsteil nach Venedig. Dort war ein 40-Tonner manövrierunfähig geworden und stand nutzlos herum. Zu allem Überfluss herrschte in der Stadt noch Hochwasser, so dass der LKW nicht angefahren werden konnte. Doch das hinderte Gersmann nicht an der Ausführung seines Auftrages. Er ließ seinen Wagen stehen, zog die Schuhe aus, schnappte sich das Ersatzteil und watete barfuß durch die überfluteten Straßen Venedigs bis zu dem defekten Lastzug.
Ein anderes Mal musste er Hals über Kopf ein Bordell umziehen. "Die hatten zwei Stunden Zeit, ihr Domizil zu verlassen. Als ich dort ankam, standen die Damen schon in kurzen Höschen im Regen auf der Straße", erinnert er sich an die Szene. Oftmals übernimmt Gersmann wichtige Termingeschichten, an denen sehr viel hängt. So stand er auch bereit, als bei BMW wichtige Autoteile fehlten, die er in einer Nachtaktion in Bergneustadt holte und zur Produktionsstätte nach Dingolfingen lieferte. "Wäre der Auftrag nicht schnell und sofort erledigt worden, hätte dort das Band stillgestanden", berichtet er. Bei seinen Aufträgen ist ihm auch tatkräftige Unterstützung nicht fremd. So lieferte er einer Frau einmal eine Waschmaschine, schloss diese an und hängte ihr anschließend noch die Wäsche auf.
"Bislang hat es noch keinen Tag gegeben, an dem ich bereut habe, was ich tue", sagt der flexible Transportunternehmer, der auch heute noch regelmäßig selbst fährt und fast jeden Auftrag rund um die Uhr annimmt. "Mein Hobby ist mein Beruf. Wer ein Transport-Problem hat, soll einfach anrufen. Das kriegen wir schon hin, egal zu welcher Uhrzeit", sagt er und meint es auch so.
Eine solche Berufsauffassung lässt sich dennoch nicht ohne weiteres durchhalten. "Ohne die absolute Unterstützung meiner Frau wären wir nicht da, wo wir heute sind. Wenn sie in der Firma nicht die Stellung halten würde, wenn ich weg bin oder diese Extratouren nicht mitmachen würde, könnte ich mir das gar nicht leisten!", schwärmt er von seiner Frau und fügt leiser hinzu, "ich bewundere Anne sehr". Insofern gleicht sie einer guten Fee, die dem Helden die rechten Bahnen gewiesen hat. Also doch ein wenig wie im Märchen.
Gersmann Transporte
24-St.-Dienst
Köhlstraße 7
50827 Köln
Tel: 0221 15 50 43 01
Mobil : 0171 7447724 (24 h Dienst)
Fax: 0221 534 79 15
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