Dicker Spaß statt dicker Bauch

Isolde Zöllner weckt die Kreativität von Kindern

Etwa acht Kinder sitzen in der Mitte des Raumes vor einem langen Spiegel. Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass der Spiegel ein umfunktionierter Tapeziertisch ist, bunt bemalt und in den Innenseiten mit Spiegelfliesen versehen. Schminktöpfchen stehen verteilt auf dem Boden und werden herumgereicht. Leise Kindermusik tönt aus einem Kassettenrekorder. Auf Beistelltischen stehen Chips und Gummibärchen, die niemand beachtet.
 
Die Konzentration wird voll und ganz von der Schminkarbeit in Anspruch genommen. Einige Kinder schminken sich selbst, andere bemalen sich gegenseitig. Dazwischen wuselt eine schlanke dunkelblonde Frau umher und gibt den kleinen Kosmetikern Tipps und hilft ihnen bei der Verwirklichung ihrer Vorhaben. Patrick hätte gerne eine Fledermaus über seine Augenpartie, die junge Frau malt ihm die Umrisse auf sein Gesicht, ausmalen kann er sie selbst. Jenny hat sich zwei Blumen auf die Wange geschminkt und steht auf, sie schlendert zu dem Kassettenrekorder, dreht die Musik lauter und beginnt zu tanzen. Zwei Mädchen und ein Junge stehen ebenfalls auf und gesellen sich dazu. Offensichtlich kennen die Kinder den Tanz. Bald sitzt kaum noch jemand am Schminktisch und auch die junge Frau lässt jetzt von den Farben ab und gesellt sich zu den Tänzern. Sie fragt nach, ob sie mittanzen dürfe und ihr jemand den Tanz zeigen könne. Sofort reden einige Kinder durcheinander und machen ihr die Bewegungen vor. Nachdem das Stück fünfmal durchgelaufen ist und begeistert von allen getanzt wurde, widmen sich die ersten Kindern wieder der Vollendung ihrer Gesichtskosmetik. Jenny verschwindet im Bad, wo sie sich ihr Kunstwerk abwäscht, sie möchte sich jetzt etwas anderes auf das Gesicht schminken.
So können Kindergeburtstage ablaufen, bei denen Isolde Zöllner das Spiel- und Unterhaltungsprogramm gestaltet. "Aber Kinderschminken ist nur eine Möglichkeit von sehr vielen", sagt sie. In der Regel spricht sie mit den Eltern, die sie engagieren, den ungefähren Ablauf vorher ab. Auf Wunsch können sich die Kinder auch verkleiden. "Ich habe mehrere große Kisten mit herrlichen Klamotten, in denen von der Federboa über rosa Röckchen und Stöckelschuhe bis hin zum knallorangen Pullover allerlei Sachen zu finden sind", berichtet sie. Oder sie übt ein kleines Tanzprogramm mit den Kindern ein, das den Eltern auch vorgeführt wird, wenn sie ihre jungen Partygäste abholen. Oder es werden "kleine Spiele" gespielt, die aber nur noch entfernt an Topfschlagen oder Blindekuh erinnern. Isolde Zöllner schöpft in der Auswahl der Spiele eher aus dem Zirkus- und Theaterpädagogischen Bereich: "Es gibt beispielsweise ein Spiel, das heißt einfrieren. Dabei spielen zwei Kinder eine Alltagssituation, bis ich Stopp sage. Dann darf das nächste Kind einen der beiden Spieler herausholen und für ihn weiterspielen. Ich finde es immer wieder unglaublich, was sich aus der ursprünglichen Situation heraus entwickelt und wieviel Phantasie die Kinder haben", erzählt Isolde Zöllner. Mit wenig Aufwand können die Kinder bei ihr auch in kurzer Zeit eine leichte Bodenakrobatik-Nummer einstudieren oder sich einfach auch nur austoben. Wichtig ist ihr, dass die Kinder aktiv werden. "Ich bin kein Pausenclown, den die Kinder nur konsumieren, sondern eher eine Animateurin, die die Kinder auf Ideen bringt", erläutert sie. So geht sie auf die Wünsche der Kleinen ein, achtet aber gleichzeitig darauf, dass kein unheilbares Chaos entsteht.
 
Seit Mitte des Jahres bietet die Mutter zweier Kinder ihre Dienste professionell an. Dabei ist die gelernte Verlagskauffrau zu ihrem Beruf nur aus Zufall gekommen. Ursprünglich wollte Zöllner studieren, doch dieser Wunsch erübrigte sich, als ihre Kinder kamen. "Das kann man nicht nebenbei machen", sagt die 36-Jährige. Nachdem die Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, gab sie ihren Studienwunsch nach einiger Abwägung endgültig auf. "Es hätte keinen Sinn gemacht, jetzt noch ein Sportstudium zu beginnen, denn meine persönliche Leistungsfähigkeit nimmt ja auch ab", sagt die sportliche Frau. Erst eine Anregung von Außen brachte sie auf die richtige Idee. "Irgendwann wollte meine Tochter geschminkt werden, also habe ich mir Kinderschminke und das erste Buch darüber gekauft. Als ich auch einmal auf einem Kindergeburtstag schminkte, war die Resonanz überwältigend", erinnert sie sich. In der Folgezeit schminkte sie Kinder häufiger auf Festen. "Doch erst in diesem Jahr kam mir die Idee, das auch professionell anzubieten. Früher hätte ich nie gedacht, dass das überhaupt möglich ist", berichtet sie. Mit Unterstützung ihres Mannes und Freunden wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und hat ihn bislang nicht bereut. Im Gegenteil, das Geschäft lief sehr gut an. "Es scheint so, als ob es einen großen Bedarf nach solchen Dienstleistungen in Köln gibt", resümiert sie.
 
Dabei macht die Bickendorferin ihren Job nicht nur aus Spaß, sondern aus tiefer innerer Überzeugung. In der heutigen Zeit erkennt sie manche physische und emotionale Defizite bei den Kindern. Ein hoher Prozentsatz des Nachwuchses ist übergewichtig, unter anderem aus dem Grund, dass er sich nicht ausreichend bewegt. Hinzu kommt häufig falsche Ernährung und die eingeschränkten und oft wenig einladenden Möglichkeiten in der Stadt, dem natürlichen Bewegungsdrang nachzugehen. ,,Dadurch verlieren die Kinder aber den Bezug zu ihrem eigenen Körper. Durch Bewegung und Sport möglichst vielfältiger Art speichert das Gehirn besonders in der Kindheit viele Bewegungsmuster ab, auf die der Mensch sein Leben lang zurückgreifen kann. Die frühe motorische und taktile Prägung erleichtert den Kindern ihre Entwicklung. Gesundes Grenzempfinden und Körpergefühl, Abbau von aufgestauten Energien, stabile Gesundheit und Förderung der Lernfähigkeit sind nur einige der Vorteile, die Kindern durch ausreichend Bewegungsanforderung entstehen. Einmal ganz abgesehen davon, wie sehr es das Selbstwertgefühl der Kinder auch stärkt, beweglich und in Form zu sein.", sagt sie. Daneben leiden die Kinder aber auch an emotionalen Mängeln. "Viele Eltern spielen sehr wenig mit ihren Kindern. Das wird noch verstärkt durch Spiele, die die Kommunikation nicht fördern, wie Gameboy oder aggressive Computerspiele. Natürlich sind die Kinder irgendwie "aufgeräumt" wenn sie am Computer sitzen und sich alleine beschäftigen, das entlastet vordergründig erstmal die eigenen Nerven. Als Mutter weiß ich nur zu gut, wie entspannend es ist, beschäftigte Kinder zu haben. Aber die volle Zuwendung der Bezugsperson im Spiel oder im Gespräch ist elementar und bewirkt in dem Kind das Gefühl, wichtig und wertvoll zu sein", sagt die Animateurin, die es für notwendig hält, das Selbstbewusstsein von Kindern zu stärken. "Ein Kind, das häufig ungerechterweise ausgeschimpft wird, kann kein nötiges Selbstbewusstsein entwickeln. Das Kind kann Situationen nicht differenzieren, es weiß nicht, dass die Mutter oder der Vater vielleicht gerade im Stress sind, sondern bezieht das Geschimpfe nur auf sich. Wichtig ist es, die Kinder in dem zu stärken, was sie können. Die Förderung ihrer Kreativität und Bewegungsfreude durch "kleine Spiele" sind mit ein Weg dorthin", befindet die Existenzgründerin.
 
Für Isolde Zöllner gibt es noch eine weitere wichtige Komponente. In Kindern erlebt sie die unmittelbare Gegenwart eines lebendigen und menschenfreundlichen Gottes. Die spontane unreflektierte Art der Kinder, ihre Fähigkeit, sich im Spiel zu verlieren und ihre Möglichkeit, Vertrauen zu schenken, möchte sie gerne bewahren und fördern. "Jesus empfiehlt zu werden wie die Kinder, doch das ist fast unmöglich. Aber es ist ein Schritt in diese Richtung, wenn man von den Kindern lernt, sie ernst nimmt und auch mit ihnen spielt", berichtet sie.
 
Gott und Glaube spielen im Leben der Mutter ohnehin eine große Rolle. "Ich bin katholisch erzogen worden und natürlich gab es bei uns die üblichen Rituale wie Tischgebet und sonntägliche Kirchenbesuche. Doch eine wirkliche Nähe zu Gott habe ich erst sehr viel später erfahren, in einer Phase, in der es mir schlecht ging. Getragen wurde ich in dieser Zeit "merkwürdigerweise" durch die Sakramente, die sich mir aber dadurch noch einmal in einem neuen und greifbarem Sinn eröffneten. Allerdings glaube ich nicht an einen strafenden Gott, vor dem alle in Furcht erzittern sollen. Sondern eher glaube ich an einen lebensbejahenden Gott, der Freude daran hat, dass wir uns lebendig entwickeln, unsere Fähigkeiten entdecken und unsere Talente fruchtbar machen", spricht sie offen von ihrem Glauben. Auch ihr Leben versucht sie möglichst im Einklang mit ihren christlichen Werten zu leben. "Aber das heißt nicht, dass ich meine Arbeit moralisch belehrend ausübe oder mich nur in christlichen Kreisen bewege", betont die Animateurin. "Ich hoffe auch nicht, dass ich durch die Äußerung meiner privaten Einstellung zum Glauben Menschen abschrecke, die einer anderen oder keiner Religion angehören. Ich hege keinen missionarischen Eifer", vermittelt sie durchaus glaubhaft.
 
Ihre Dienste bietet sie im Internet unter dem Namen "www.isoldeskinderschminken.de" für den Raum Köln und Umgebung an. In einem Gespräch mit den interessierten Eltern werden meist zwei, manchmal auch drei Programmpunkte festgelegt. "Es ist optimal, wenn ich komme, nachdem die Kinder den Kuchen bereits gegessen haben, denn währenddessen kann ich nicht viel machen", sagt die Kinderaktivistin, die zumeist für zwei oder drei Stunden gebucht wird. Vor kurzem hat Isolde Zöllner den Übungsleiter C-Schein gemacht, der sie berechtigt, in Vereinen Sportkurse zu geben. ,, Neben Vereinsmitarbeit bietet mir dieser Schein aber auch eine solide Grundlage für meine sportlichen Animationsangebote und natürlich jede Menge Ideen", schmunzelt sie.
 
Auch Firmen nehmen ebenfalls gerne ihre Dienste in Anspruch, dabei handelt es sich zumeist um Kinderschminken zu einem Betriebsfest oder andere Events. In der Karnevalssaison geht sie auch zu den großen und kleinen Jecken nach Hause, um sie zu schminken, gleich ob es sich um Sitzungskarneval oder die Fete im Kindergarten handelt.
 
Angst um ihre berufliche Zukunft hat die athletische Gründerin nicht: "Das Geschäft entwickelt sich sehr gut und entspricht in jeder Hinsicht meinen Talenten und Fähigkeiten, die mein Mann manchmal schmunzelnd mit den Worten singen, turnen, malen umschreibt", lacht sie.
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